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Über 650 Besucher kamen zur Holocaust-Gedenkveranstaltung der ICEJ, darunter Ehrengäste der jüdischen Gemeinde und aus Israel: Irene Shashar, Zeitzeugin des Holocaust und Eitan Halley, Überlebender des Massakers vom 7. Oktober 2023.
An der Seite Israels . „Wir stehen an Eurer Seite. Mit Gottes Hilfe“, versicherte ICEJ-Vorsitzender Gottfried Bühler den jüdischen Ehrengästen unter dem zustimmenden Applaus der vielen israeltreuen Christen im Kursaal von Bad Cannstatt. Michael Kashi, Vorstandsmitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW), dankte den Israelfreunden im Namen der jüdischen Gemeinschaft.
„Der Holocaust hat einen Bruder bekommen am 7. Oktober“, betonte Kashi dann in seinem Grußwort. „Nicht nur hinsichtlich der Brutalität“. Genau wie der Holocaust werde auch das Massaker der Hamas heute bereits vielfach verdrängt, relativiert oder gar geleugnet. Die ICEJ stelle sich dieser Entwicklung vorbildlich entgegen, lobte Kashi. Seiner Bitte um Gebete für die Geiseln im Gazastreifen kamen die Christen gleich an Ort und Stelle nach – minutenlang wurde im Saal intensiv in kleinen Gruppen gebetet. Zuvor verlasen Sabine und Stephan Lehnert (ICEJ-Geschäftsführer) die Namen der Geiseln.
„Vor 80 Jahren wurde Auschwitz befreit“, erinnerte Gottfried Bühler. Sechs Millionen Juden wurden während der Shoa grausam ermordet. Dass Israel wenige Jahre später dennoch den Mut hatte, neue Beziehungen zu Deutschland zu wagen, bezeichnete der ICEJ-Vorsitzende als größtes Wunder der Nachkriegsgeschichte. „Herzliches Dankeschön an Israel für 60 Jahre diplomatische Beziehungen mit der BRD!“, rief er den Gästen aus Israel zu.
„Das jüdische Volk hat nach der Shoa eine Zeitenwende erlebt“, blickte der ICEJ-Vorsitzende zurück. Aus Wüstengebieten und Trümmern entstand 1948 der moderne demokratische Staat Israel. „Doch schon in der Gründungsnacht mussten sich Juden erneut gegen einen Genozidversuch verteidigen“, hält Gottfried Bühler fest. Auch in den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Genozidversuche. Der ICEJ-Vorsitzende erinnerte an den Sechstagekrieg 1967, den Jom-Kippur-Krieg und zahlreiche andere Angriffskriege arabischer Nachbarländer.
„Der letzte Genozidversuch fand am 7. Oktober 2023 statt“, schloss Gottfried Bühler die Aufzählung. Deshalb war zur Holocaust-Gedenkveranstaltung auch Eitan Halley eingeladen. Er berichtete als Überlebender vom Terrorangriff der Hamas auf das Supernova-Musikfestival (siehe Seite 9).
Der Angriff hält bis heute an. „Israel muss sich an neun Fronten verteidigen“, informierte Gottfried Bühler. „An zwei Fronten scheint die Verteidigung aussichtslos“, bedauerte der Moderator der Fernsehserie „Faszination Israel“: „Eine dieser Fronten sind die Medien, die andere die UN.“ Eine faire Berichterstattung über Israel würde dem Antisemitismus in unserem Land den Nährboden entziehen, ist Gottfried Bühler überzeugt. Dieser Aufgabe versucht die ICEJ mit Newslettern, Print-Magazinen, Fernsehsendungen und Sprecherdiensten gerecht zu werden.
„Wir sollten auch nicht mehr gleichgültig hinnehmen, dass unsere jüdischen Freunde ihre Gottesdienste nur noch unter Polizeischutz und hinter Sicherheitstüren feiern können“, kritisierte Gottfried Bühler die aktuelle Sicherheitslage in Deutschland: „Noch mehr Polizeischutz löst nicht das Problem des importierten Antisemitismus.“ Viele jüdische Freude würden darüber nachdenken, Deutschland zu verlassen und nach Israel auszuwandern: „Das wäre ein unermesslicher Verlust für unser Land“.
Die Liebe zu Israel in die nächste Generation weiterzutragen und gegen Antisemitismus einzutreten, ist ein großes Anliegen von Markus Stegmaier und Melina Strecker, die sich als Teammitglieder der ICEJ-Jugendorganisation ARISE vorstellten. In den Tagen nach dem Holocaustgedenktag begleiteten sie Eitan bei Schulbesuchen und stellen seine Überlebensgeschichte in den Sozialen Medien vor.
Die HANKE Brothers gaben der Gedenkveranstaltung einen feierlichen musikalischen Rahmen. Die Gäste aus Israel wurden mit Standing Ovations und der israelischen Nationalhymne verabschiedet. Als der ganze Saal mit Sängerin Martina Schwarz die „Ha-Tikwa“ anstimmte, ging ein Strahlen über das Gesicht der Holocaustüberlebenden.
„Seid meine Stimme!“
„Lass mich nicht allein!“ Irene Shashar will Gottfried Bühler nicht von der Bühne gehen lassen, ehe sie ihre Rede beginnt. Gerührt legt der Vorsitzende der ICEJ seinen Arm um die Schultern der zierlichen Holocaustüberlebenden – und erhält dafür einen Kuss.
Im Täterland „Ich bin hier, am 80 Jahrestag der Befreiung von Ausschwitz, um über mein Leben zu sprechen. Auf deutschem Boden. Das habe ich nie zuvor getan“, sagt Irene Shashar und schweigt einen Moment. Dann seufzt sie tief auf. Man spürt, es ist nicht leicht.
Eigentlich hatte Irene Shashar das Land der Täter niemals betreten wollen. Doch auf Einladung der ICEJ wagte die Holocaustüberlebende den großen Schritt: Mit 87 Jahren kam sie in Begleitung ihrer Nichte aus Israel, um über die Shoa zu sprechen – und über den 7. Oktober 2023.
Sorge um Enkel Niemals hätte sie geglaubt, dass eines Tages auch ihre Enkelkinder um ihr Recht auf Leben kämpfen müssen, sagt sie. Als Irene Shashar als junge Frau nach Israel auswanderte, „da hatte ich gehofft und geglaubt, dass ich als Holocaustüberlebende den Preis dafür bezahlt habe.“ Doch dann passierte das Unvorstellbare: Ein Massaker an Juden – im jüdischen Staat. Die Seniorin erinnert an die 1.200 friedlich feiernden Menschen, die von der Hamas am 7. Oktober 2023 bestialisch ermordet wurden und an die 250 Menschen, die in den Gazastreifen verschleppt wurden. „Bis heute hat der Terror der Hamas nicht aufgehört“, betont die Holocaustüberlebende.
Im Schlepptau des Massakers präsentiert der Antisemitismus weltweit seine hässliche Fratze. Das zeige, dass der Hass der Vergangenheit immer noch gegenwärtig sei. Man könne sich als Jude nicht mehr sicher fühlen in Europa oder anderen Teilen der Welt. „Nach dem Holocaust sollte das nicht hingenommen werden!“, ruft die Holocaustüberlebende sichtlich erschüttert ins Mikrophon: „Nie wieder sollte doch wirklich bedeuten: NIE WIEDER!“
Die 86-Jährige beobachtet die politische Entwicklung auf der Welt sehr genau. Mit Erschrecken blickt sie auf Umfragen, die offenlegen, wie tief Antisemitismus verbreitet ist, zitiert Studienergebnisse und Zahlen. Sie setzt sich gegen Hass in jeder Form ein, für den Schutz von Minderheiten, für Toleranz. „Denn ich habe kennengelernt, welche Konsequenzen es hat, wenn jemand hasst.“
Irene Shashar hat ein Buch geschrieben über ihre Kindheit im Holocaust. Sie erzählt, mahnt, steht für Diskussionen bereit – weil sie sich verpflichtet fühlt, für die 1,5 Millionen ermordeten jüdischen Kinder zu sprechen, die den Vernichtungsplänen der Nazis zum Opfer fielen. Aber sie will nicht nur mahnen. „Ich will die Menschheit daran erinnern, dass das Gute tatsächlich über das Böse triumphieren kann!“
An diesem Abend in Deutschland will sie allerdings auch eine Bitte äußern – die Bitte um Unterstützung im Kampf gegen den Hass. „Wir sind ein widerstandsfähiges Volk“, betont die Israelin stolz. Aber für den Kampf gegen Antisemitismus brauche man Hilfe und Freunde. „Als Überlebende der Shoa fühle ich, dass ich das Recht habe, euch um eure Hilfe zu bitten. Ich habe die Hoffnung, dass ihr versteht, wie wichtig es für mich ist, dass gerade ihr eure kraftvollen Stimmen erhebt. Steht auf gegen den Antisemitismus.“
Dann ruft sie ihrem Publikum den Satz zu, der zum Leitmotiv ihres Lebens geworden ist. „Hitler hat nicht gewonnen!“, ruft die Seniorin kämpferisch. Und ergänzt: „Lasst ihn auch jetzt nicht gewinnen!“
Bald werde es keine Augenzeugen der Shoa mehr geben, stellt die 86-Jährige sachlich fest. „Erinnerungen verblassen in meinen Augen – und manchmal rollen sie als Tränen über meine Wangen.“ Die Holocaustüberlebende seufzt noch einmal tief auf. Dann bittet sie die Nachkommen des Tätervolks, das ihre Familie ermordete: „Seid meine Stimme! Ich bitte euch: Geht Hand in Hand mit den Kindern Israels!“
Die Liebe ist nicht dafür geschaffen zu konsumieren,
sondern zu geben! Geben ist die Wurzel
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was wir tun, was wir geben.
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