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Groteske Toleranz

Israelfeindlichkeit und Judenhass heute
Ahmad Mansour
Pro-Palästina-Demo am 9. Oktober 2023. Menschen halten Palästina-Flaggen und tragen Palästinensertücher. Zu sehen ist auch der Slogan "From the River to the Sea, Palestine will be free", der zur Vernichtung Israels aufruft.

Hetze gegen Juden scheint seit dem 7. Oktober wie entfesselt. Der Hamas-Terror gegen Israel markiert eine Zeitenwende. Doch noch immer stecken viele – zu viele – weiter den Kopf in den Sand.

Hass auf den Straßen

Erst jetzt, seit es hunderte Kundgebungen gegen Israel gibt, wachen manche in Europa auf. Jetzt erst erkennen einige Europäer, dass der radikale Islam auch auf ihrem Kontinent ein ernstes Problem darstellt.

Doch politischer Mut ist eine seltene Ressource. Wer glaubt, durch Ignorieren und Verdrängen der Problematik beizukommen, oder durch ein paar Kampagnen für Diversität und Multikulti, der irrt. Der will nicht sehen, dass es eine klare Verbindung gibt zwischen dem Extremismus auf unseren Straßen und der radikalen Hamas in Gaza.

Für den linken Fundamentalismus ist es ein Tabu, Islamismus und Terroristen zu kritisieren oder Israel bei der Abwehr gegen den Terror zu unterstützen. Wer das tut, der gilt sofort als „islamophob“ oder auf der Seite „der Unterdrücker“.

Entfesselte Hetze

Latent war die intensive Israelfeindlichkeit der Linken lange vor dem 7. Oktober da. Dennoch wäre es bis vor wenigen Jahren im bürgerlichen Milieu undenkbar gewesen, öffentlich judenfeindliche Reden zu halten. Das taten allenfalls Neonazis, radikale Palästinenser oder Islamisten. Heute rufen tausende Studierende zur Auslöschung des jüdischen Staates auf und bekunden Sympathien für eine autokratisch herrschende Terrorsekte wie die Hamas.

Verständnis für den Terror der Hamas findet sich bei Klimaaktivisten, Linksradikalen, Postkolonialen, Islamisten, Migranten, Muslimen, Künstlern, Galeristen, Kuratorinnen, Flüchtlingen. Angesichts der entfesselten Hetze gegen Israel ist eine woke Ideologie umso grotesker, die Toleranz für Minderheiten fordert, aber selber alles brandmarkt, was von ihrer Moral abweicht. Und noch grotesker, die Fantasie in der Palästina-Solidarität, dass Terrorsekten wie die Hamas auch nur ein Gramm Toleranz für queere Leute hätten. In Gaza wäre eine LGBTQI-Wohngemeinschaft schlicht unmöglich.

Ultraschlichtes Weltbild

Es wird immer klarer, dass Gruppen, die Hass laut Bekenntnis ablehnen, aber vom Hass auf weiße Menschen leben, auf den „Globalen Norden“, auf Kapitalisten und Polizisten, ein ultraschlichtes, schwarz-weißes Weltbild propagieren. Im Zentrum dieses Weltbildes steht meist ein Ressentiment gegen Juden und Israel.

Hand in Hand feiern Islamismus und Antikolonialismus die Opfermythen der Muslime. So konnten die grausamen Massenmorde des 7. Oktober zum Aufstand der Unterdrückten umgedeutet werden. Aus dieser Sicht repräsentiert Israel eine „Kolonialmacht“, sind Juden weiße privilegierte Ausbeuter, und der Hass auf Juden ist daher legitim. Da wäre Empathie für ermordete Babys und entführte Kleinkinder nur sentimental.

Blind und taub

Ein großes Ausmaß an politischer und emotionaler Taubheit ist notwendig, um die Gefahr durch antidemokratische, fundamentalistische Unterwanderung nicht zu bemerken. Wenn im Bundestag Reden gehalten werden, die Antisemitismus verurteilen, während zwei Kilometer vom Bundestag entfernt Parolen gegen Israel und Juden gebrüllt werden, dann ist etwas aus der Balance geraten. Wenn Stimmen aus Politik, Medien und Zivilgesellschaft „muslimfeindliches“ Klima in Deutschland beklagen, um Muslime kollektiv zu Opfern zu erklären, dann haben diese Leute auf der Straße oder beim Fernsehen die Augen zugemacht und nichts gesehen, nichts gehört. Oder wollen sie bewusst Diskurse verschieben und klare Fragen vermeiden, etwa die Frage nach dem Antisemitismus in muslimischen Communitys?

Teils werden Islam-Fundamentalisten nicht nur toleriert, sondern sogar als Partner gesehen, mit öffentlichen Geldern unterstützt und vor Kritik auch aus der muslimischen Gemeinschaft geschützt. Der Westen muss sich viel mehr Klarheit verschaffen über die Milieus, die vom demokratischen Weg abgekommen sind, in der Politik wie im Bildungssystem, in der Wissenschaft und in Thinktanks.

Für Demokratien wird viel davon abhängen, ob der Westen in den Bereichen Migration und Integration die richtigen Weichen stellt und ob Israel im Kampf gegen den radikalen Islam erfolgreich sein kann. Andernfalls könnten die Auswirkungen weit über die Grenzen Israels hinaus spürbar werden – noch deutlicher als bisher auch in Städten wie Berlin, Paris oder Zürich, New York oder London.

Über den Gastautor

Unser Gastautor Ahmad Mansour ist Psychologe und Islamismusexperte arabisch-palästinensischer Herkunft. Er schreibt Artikel für den „Spiegel“, die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) und „Die Welt“. Zu seinen neusten Büchern gehört das Buch „Klartext zur Integration – Gegen falsche Toleranz und Panikmache“, erschienen im S. Fischer Verlag.

Auszug aus der Sonderausgabe Wort aus Jerusalem: "Israel im Faktencheck"
(Foto: pro-palaestina-demo-am-9-oktober-2023/wikipedia)

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