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Auf einen Kaffee mit Jesus

Auf einen Kaffee mit Jesus

Wie ich als vielbeschäftigte Mutter zur Sabbatruhe fand
Vesna Bühler
Die Kaffeeträgerin, Orientalisches Gemälde von John Frederick Lewis (1857)| Foto: Omar Sayed Mohamed [Wikipedia, gemeinfrei]

„Mama, Mama, morgen bin ich Sabbatkönigin“, ruft meine kleine Tochter Yael begeistert, als ich sie vom Kindergarten abhole. „Ich muss ein schickes Kleid anziehen und auch einen Kuchen mitbringen.“ Wie alle unsere Kinder, so besucht(e) auch unsere Jüngste einen messianisch-jüdischen Kindergarten. Zum Wochenende feiert man in den meisten jüdischen Familien und schulischen Einrichtungen traditionell als Wochenausklang eine kleine Sabbat-Willkommens-Zeremonie („Kiddusch“ – deutsch „Heiligung“). Unsere Tochter Yael darf als sogenannte „Sabbatkönigin“ dazu zwei Kerzen anzünden, einen Segen sprechen und Kuchen an die Kinder verteilen, während sie alle zusammen Sabbat-Begrüßungslieder singen.

Ruhe- und Familientag

Der Sabbat, der schon in der Schöpfungsgeschichte von Gott eingesetzt (1 Mo 2,2) und später sogar als Teil der zehn Gebote bekräftigt wurde (2 Mo 20,8), gilt in allen jüdischen Haushalten als Höhepunkt der Woche. Die Tatsache, dass er als siebter Tag der Woche einen eigenen Namen trägt, gibt ihm eine ganz besondere Bedeutung. „Sabbat“ (hebräisch Schabbat) kommt aus der Wortwurzel „schevet“ und bedeutet „sitzen“ oder „Familienstamm“. Er ist also ein Ruhe- und Familientag. Da der Sonntag in Israel der erste Arbeitstag ist, feiern auch wir als Christen den Samstag als Ruhetag.

Frühmorgens auf dem Wohnzimmerteppich

Als Mutter von vier Kindern, die in Israel lebt, mit einem Mann, der viel im Ausland unterwegs ist, hatte ich mich anfangs oft gefragt, wie es sich wohl der Herr mit dem Gebot des Ruhetags für die Mütter gedacht hat. Oft wollte ich ausschlafen, habe aber stattdessen mit einem kleinen Kind um sechs Uhr morgens auf dem Wohnzimmerteppich gespielt, Mahlzeiten vorbereitet und auch sonst war wenig Ruhe zu spüren, da ich allein für den Tagesablauf zuständig war. Ich wünschte mir sehnlichst einmal eine ganz reale Kaffeestunde mit Jesus, um ihm genau diese Frage zu stellen.

Fleiß und Seelenfrieden

Der Gedanke, dass Jesus den geschäftigen Alltag der Mütter sehr gut kannte, wurde mir zum Trost, da er doch selbst der Älteste von zahlreichen Geschwistern war (Mt 12,47). Außerdem berichtet die Bibel auch, dass er die vielbeschäftigte Martha, die sich um sein leibliches Wohl mit allem Fleiß kümmerte, liebte (Joh 11,5). Fleiß gilt jedoch nur solange als göttliche Tugend, wie sie Prioritäten erkennt. Durch das Sabbatgebot z. B. ist uns eine göttliche Priorität gesetzt, die überlebenswichtig für unsere Seele ist. Gott sehnt sich nach der regelmäßigen ungeteilten Gemeinschaft mit ihm, bei der wir die ursprünglich gedachte Ruhe / den Sabbat für unsere Seele finden. „Also bleibt dem Volk Gottes noch eine Sabbatruhe vorbehalten, denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ruht auch selbst von seinen Werken, gleichwie Gott von den seinen“ (Hbr 4,9). Sein Plan für jeden Menschen ist, dass wir Seelenfrieden finden. „Denn ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Unheils, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben“ (Jer 9,11).

Jesu Zeiteinteilung

Im Laufe der Zeit durfte ich von Jesus persönliche Zeiteinteilung lernen, indem ich las, wie er bewusst die stillen Morgenstunden, während es noch dunkel war, nutzte, um Gemeinschaft mit dem Vater zu haben. Jesus wurde von tausenden Leuten aufgesucht und musste sich selbst einer disziplinierten Zeiteinteilung unterziehen, um dem Stress des Alltags gewachsen zu sein (Mk 1,35). So wurden mir meine Andachten um fünf Uhr morgens oder die Schlafstunden meiner Kinder zu kostbaren „Kaffeezeiten“ mit dem Herrn, in denen ich den Geschmack von wahrer Ruhe / Sabbat im Herrn erleben durfte.

Gemeinschaft mit Ihm

Das Gleichnis von Maria und Martha (Lk 10,38-42) ist für mich außerdem ein interessantes Bild für den Sabbat geworden. Als Jesus persönlich im Hause der zwei Schwestern erschien, verstand Maria, was Jesus heute wichtig war: Die ungeteilte Aufmerksamkeit und Gemeinschaft mit ihm. Maria konnte nicht anders, denn ihr Herz war erfüllt mit Liebe zu Jesus. Sie war es auch, die kurz zuvor Jesu Füße mit kostbarstem Nardenöl gesalbt hatte – aus Dankbarkeit und tiefster Liebe ihres Herzens. So setzte sie sich auch jetzt zu seinen Füßen (Sabbat = sitzen) und hörte ihm wie gebannt zu.

Jesus als Gastgeber

Martha stattdessen war darauf bedacht, ihm mit ihrer Gabe der Gastfreundschaft und aufwändigem Kochen zu dienen. Als sich Martha bei Jesus über Marias Nichtstun beklagte, sagte Jesus, dass Maria verstanden hätte, worauf es heute ankäme – sie hatte die bessere Wahl getroffen und war am Ziel angelangt! Jesus liebte Martha und unterschätzte keineswegs ihre Bemühungen, doch machte er ihr deutlich, dass sie durch die Sorgen um alltägliche Dinge gerade diese besondere Stunde nicht erkannt hatte. Jesus selbst wollte diesmal Gastgeber sein, er verteilte geistliche Speise, diese wollte er weder Maria noch Martha vorenthalten. Jesus lobte Marias Entschluss, ihm zuzuhören. Als ihn seine Jünger einmal zum Essen drängten, antwortete er: „Meine Speise ist die, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe“ (Joh 4,34).

An Gottes Festtafel

Ich will lernen, neben meinen geschäftlichen oder häuslichen Pflichten Marias Herzenshaltung einzunehmen, mich von der Liebe Jesu erfüllen zu lassen und die besondere Gemeinschaft mit Ihm als Priorität zu sehen. Aus Gottes Sicht werden solche ausgewählten Stunden nicht nur zu einer „Kaffeepause“, sondern zu einer regelrechten Festtafel, gleich einem Sabbatmahl – einer ganz besonderen Verabredung mit Ihm! „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde ich zu ihm hineingehen und das Mahl mit ihm essen und er mit mir“ (Offb 3,20).

Überarbeitete Auszüge eines Artikels, der erstmalig in der Zeitschrift LYDIA erschien. Ausgabe 4/15. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.

Bild: Die Kaffeeträgerin, Orientalisches Gemälde von John Frederick Lewis (1857) | Foto: Omar Sayed Mohamed [Wikipedia, gemeinfrei]

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