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Der Versöhnungstag Jom Kippur

Der Versöhnungstag Jom Kippur

Jacob Keegstra
Titelbild 2 junger Beter gpo Mark Neyman

Dies ist ein Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um Jom Kippur.

Der Versöhnungstag ist der wichtigste Sabbat des Jahres. Zwischen Rosh ha-Schana und dem Versöhnungstag liegen zehn Einkehrtage zum Bekennen der Sünden, ‘Widdui’, und zur Versöhnung mit Gott.[1] Am Versöhnungstag, am ‘Jom Kippur’, steht der Begriff ‘Kappara’, Versöhnung, im Mittelpunkt. Deswegen ist dies der Tag der nationalen Versöhnung (Reinigung).

 

Aus den Festkalendern ist zu ersehen, dass genau dreimal 40 Tage zwischen Shawuot und Jom Kippur liegen, an denen Gott zum ersten bzw. zum zweiten Mal seine zehn Gebote gab. Um sich am Versöhnungstag mit Gott zu versöhnen, standen sehr genaue Ordnungen zur Verfügung.[2]  Der Hohepriester sollte die acht Kleidungsstücke ablegen, damit er als gemeiner Priester ausschließlich in Leinen gekleidet seine Aufgabe erledigen konnte.[3],[i] Außer den 40 Handlungen, die der Hohepriester an diesem Tag zu verrichten hatte,[ii] sollte er den Namen des Herrn zehnmal nennen: sechsmal im Zusammenhang mit dem Stier, dreimal beim Sündenbock und einmal mit dem Los. Wenn die Menschen den Namen ihres Herrn hörten, warfen sie sich aus Ehrfurcht auf ihr Angesicht.

 

Bei diesen Festen des Herrn stand der Altar im Mittelpunkt des Dienstes an Gott.[iii] Während beim Passahfest nur die Türpfosten siebenmal und beim Wochenfest lediglich das Volk und das Gesetzbuch siebenmal besprengt wurden, war es beim Versöhnungstag der Altar im Heiligtum, der siebenmal besprengt wurde.

Der Altar, d.h. die Deckplatte auf der Bundeslade, wird auch ‚Thron der Gnade’ genannt. Der Hohepriester kam hier in die unmittelbare Nähe Gottes, die ‘Schekinah’ oder Herrlichkeit Gottes.

Der Prophet Daniel spricht von einem Tag der Reinigung des Heiligtums mit dem Altar.[4]  Jetzt, wo der Altar nicht mehr anwesend ist, betet man für die Erlösung Israels.[5]

 

Über dem Versöhnungstag steht die Verheißung: “Ich, Gott selbst, werde die Unreinheiten an einem Tag entfernen”.[6] Wird das einmal an diesem Tag stattfinden? Gott selbst wird die Reinigung nach den Tagen der Reue bewirken.[7] Ist das, prophetisch gesehen, also nach den Tagen der Einkehr?

 

An diesem Tag werden zwei Teile aus der Thora, ,Paraschot’, gelesen: Levitikus 16-18 und Levitikus 19-20, wobei die Versöhnung aus Levitikus 16 mit der Konfliktlösung zwischen Menschen aus Levitikus 19 verbunden wird. Die Wiederherstellung der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen hat auch Auswirkungen auf die Beziehung der Menschen untereinander.

Die Prophetenlesung über die Versöhnung nach der Umkehr entstammt Hosea 14. Die extra Festrolle an diesem Tag ist das Buch Jona.[iv] Hier ist Reue das zentrale Thema, sowohl individuell für sich selbst als auch kollektiv für die Menschheit. Beim Abschluss der Liturgie wird dafür gebetet, im Buch des Lebens aufgeschrieben zu werden.[8] Im dreijährigen Turnus liest man an diesem Tag über Jakobs Ringen beim Jabbok und über die Versöhnung mit Esau als eine Vorwegnahme des Versöhnungstages aus Genesis 32-33.[v] Am Ende des Versöhnungstages steht das Ritual der Abwaschung der Sünden als Zeichen dafür, dass Gott die Sünden in die Tiefen des Meeres wirft.[9] Daraufhin ertönt wieder die Posaune.

 

Die jüdische Literatur erwähnt, dass die Schekina Gottes den Tempel 40 Jahre vor dessen Zerstörung im Jahre 70 n.Chr. verließ.[vi] Dabei wurden vier Zeichen gesehen:

  • Die westliche Lampe der Menora erlosch jede Nacht.
  • Das Los für den Herrn befand sich immer in der rechten Hand des Hohenpriesters.
  • Das Tempeltor stand jeden Morgen wieder offen.
  • Die scharlachrote Schnur wurde nicht mehr weiß.

Die Priester pflegten eine scharlachrote, in das Blut eines Ziegenbocks getauchte Schnur an den Türpfosten des Tempels zu befestigen. Sobald der Sündenbock in der Wüste angekommen war, wurde die scharlachrote Schnur wieder weiß als Zeichen dafür, dass Gott die Sünden vergeben hatte.[10] Die Rabbiner betrachteten diese vier Zeichen als von Gott gegeben.[vii] Ist dies ein Hinweis dafür, dass Gott seinem Volk nicht mehr auf diese Weise die Sünden vergibt?

 

Im Judentum ist Jom Kippur auch der ‚Jom HaDin’, der Tag des Gerichtes. Es geht also an diesem Tag nicht nur um Versöhnung, sondern auch um Gericht. Nach dem Talmud[viii] öffnet Gott an diesem Tag drei Bücher: das Buch des Lebens für die Gerechten, das Buch des Lebens für diejenigen, die sich in einem Zwischenstadium befinden, und das Buch des Lebens für die Ungerechten.[11] Ein üblicher Gruß an diesem Tag ist ‘Gemar Hatimah Tovah’ oder ‘Möge Dein Name im Buch des Lebens geschrieben stehen’.[ix] Am Jom Kippur werden die Bücher geöffnet, aber erst am Sukkot wird das Fest dann das ‚Fest des offenen Buches‘ genannt.[12],[x] Am Jom Kippur findet die Reinigung des Menschen vor Gott statt und Gottes Urteilen nimmt ein Ende.[xi]

 

Im NT findet der Versöhnungstag im Werk Jesu, in der Sühne aller Sünden, seine Erfüllung. Alle Opfer weisen auf das Opfer Jesu auf Golgota hin.[13] Die beiden Ziegenböcke, die am Versöhnungstag eine Rolle spielen, bekommen im NT Verweisungscharakter. Der für den Herrn geschlachtete Ziegenbock verweist auf Christus in seinem Tod. Der Bock des ‚Azazel‘, der Wegschickung, um Sühnung zu erwirken, wird zum Symbol Christi in seiner Auferstehung.[14] Es ist bemerkenswert, dass beim Sterben Jesu der Vorhang des Tempels in zwei Stücke zerriss; ein Zeichen dafür, dass der Zugang zum Vater ab jetzt für jeden offen war. Christus ist sowohl der Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks als auch der Sündenbock, der außerhalb des Tores gelitten hat.[15],[xii] So wie die Stiftshütte den Menschen zeigt, dass der Weg zu Gott aufgrund ihrer Sünden noch nicht offen und nur durch Blutvergießen Vergebung zu erlangen war, so zeigt das Werk Jesu, dass er unser Hoherpriester ist und sich selbst als eine Sühne für unsere Sünden hingegeben hat. Das Blut von Tieren konnte nur körperliche Unreinheit hinwegnehmen, das Blut Jesu aber kann Sünden tilgen.[16]

 

Zwischen dem Versöhnungstag und dem Jobeljahr besteht ein Zusammenhang.[17] Nach der Reinigung des Hohepriesters, des Heiligtums und des Volkes konnte im 50. Jahr das Jobeljahr beginnen. In diesem Jahr wurden die ursprünglichen Besitz- und Rechtsverhältnisse wiederhergestellt. Das Wort ‚Jobel’ bedeutet auch rufen, jubeln, ‘Klang des Schofars’. Mit dem Klang der silbernen Posaune, ‘yo-bale’, beginnt der Versöhnungstag und das Jobeljahr.[xiii] Es ist eine Zeit der Wiederherstellung aller Dinge[18] und der Heimkehr der Heimatlosen. Auch im NT ist es prophetisch vorhanden: Jesus ruft bei seiner ersten Verkündigung in der Stadt Nazareth das Jahr des Wohlgefallens für den Herrn aus.[19]  Am Schluss des Versöhnungstages wird die silberne Posaune geblasen. Damit wird gezeigt, dass nach dem Kampf auch der Sieg gefeiert werden[20] und man in die Ruhe des Jobeljahres eingehen kann.[21] Somit weist der Versöhnungstag hin auf die Ankunft des Messias, der kommt um zu siegen, zu sühnen und wiederherzustellen, sodass das Jobeljahr beginnen kann.

 

Hier geht es zu dem Literaturverzeichnis von Gottes prophetische Feste: Literaturverzeichnis von Gottes prophetische Feste – Jacob Keegstra - ICEJ - Deutscher Zweig e.V.

Hier ist ein spannender Artikel zum Laubhüttenfest: Das Laubhüttenfest - Sukkot - ICEJ - Deutscher Zweig e.V.

 

[1] Lev 16,29-31; 23,27-32

[2] Lev 16

[3] Lev 8,7; Ex 28,33-33

[4] Dan 8,13-14

[5] Siehe auch: Röm 10,1

[6] Sach 3,9

[7] Sach 12,10; 13,1

[8] Dan 12,1

 [9] Mi 7,19

[10] Jes 1,18

[11] vgl. Hos 14,1-9

[12] Dtn 31,9-13 und 16-30

[13] Hebr 1,2-4; 3,3-6; 7,26-28; 8,1-6; 9,23; 10,1-12; Dan 9,27

[14] Kol 2,13; 3,13; 1 Joh 1,9

[15] Gal 2,20; Hebr 8-9

[16] Hebr 9,11-14

[17] Lev 25,35-55

[18] Apg 3,19-21

[19] Jes 61

[20] Jos 6

[21] Lev 25,10-54

[i] R.Scarlata en L.Pierce, 1997, 321

[ii] id., 322.

[iii] K.J.Conner, 1980, 77

[iv] A.J.Kolatch, 1995, 244

[v] F.J.Pop, 1964, 498

[vi] Mishna, Yoma, 67a

[vii] id, 39a

[viii] Talmoed, Rosh Hashana 1:3

[ix] R.Scarlata en L.Pierce, 1997, 326

[x] K.J.Conner, 1980, 78

[xi] A.J.Kolatch, 1995, 255

[xii] S.Sacks, 1995, 65v

[xiii] Enc. Judaica, 1971/2, 1443v

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