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Cargo Cult-Christentum

Cargo Cult-Christentum

Das Geheimnis der Erweckung ist einfacher als man denkt
Dr. Jürgen Bühler
ein blaues Logo auf weißem Hintergrund. Zu lesen: ICEJ. Internationale Christliche Botschaft Jerusalem

Bekannt wurde der Begriff „Cargo Cult“ (deut. „Fracht Kult“) in den USA durch den Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman, der ihn 1974 vor versammelter Studentenschaft auf die anwachsende Welle der populistischen „Pseudowissenschaft“ anwendete. Zu diesem Zeitpunkt war der pseudo-religiöse Cargo Cult der südpazifischen Inselbewohner bereits im Begriff zu schwinden. Doch für Feynman und andere bot er das perfekte Lehrstück, um vor der wachsenden Gefahr einer „Schwindel-Physik“ zu warnen. Auch die heutige Kirche könnte von diesem Südseekult ein paar Lektionen lernen.

Das primitive Glaubenssystem der Melanesier ordnete den großen englischen Frachtschiffen einen religiösen und geistlichen Wert zu. Sie lernten rasch, dass dort wo die weißen Eindringlinge eine Hafenanlage bauten, schon bald die königlichen Flotten wertvolle Güter ablieferten.

Einen Höhepunkt erlebte der Cargo Cult während des 2. Weltkrieges, als die US-Streitmächte strategische Kaianlagen und Landebahnen in der Südsee bauten. Die Stammesführer Melanesiens beobachteten richtig, dass der Fertigstellung der Anlagen schon bald Schiffe und Flugzeuge folgten, die jene ‚heiligen‘ Schiffsladungen von Gütern und Reichtümern abluden, die ihnen ihre Vorfahren Jahrhunderte zuvor prophezeit hatten.

Als mit Ende des Weltkrieges die US-Stützpunkte wieder abgebaut wurden, dachten die Inselbewohner, dass sie nur ihre eigenen Kaianlagen und Start-und Landebahnen bauen müssten, damit die Schiffe und Flugzeuge weiterhin kommen würden. Sie erwarteten, dass ihre eigenen Güterlieferungen schon bald darauf folgen würden.

Ganz offensichtlich landeten keine Flugzeuge, obwohl entlang der Rollbahn Fluglotsen mit perfekt geschnitzten Kopfhörern saßen, und große Bambus-Antennen auf eigens gefertigten Strohhütten angebracht wurden! Eine solche Vorstellung jener Inselbewohner erscheint für das westliche Denken naiv. Doch wenn man die Entwicklung in den kirchlichen Gemeinden heute genauer untersucht, hat eine kultivierte Version des selben Phänomens Einlass gefunden.

Kaianlage und Rollbahnen

Sorgfältig und gewissenhaft untersuchen wir weltweit die verschiedensten Erweckungsbewegungen. Wir treiben Forschungsarbeit mit Hinblick auf Gemeindewachstum und versuchen, den Grund für den Erfolg einer Mega-Kirche oder eines Dienstes herauszufinden. Ganze Institute befassen sich mit solchen Forschungen.

Oftmals erhoffen wir uns im Geheimen, wenn wir die dieselbe „Kaianlage“ und die dieselben „Rollbahnen“ wie dieser Pastor bauen, oder die geistlichen Methoden jenes Lehrers nachahmen, dass dann die himmlische Ladung der Erweckung ganz einfach auch in unsere Gemeinde kommt. Doch nur zu oft landen keine Flugzeuge und legen keine Schiffe an, und wir sind immer noch dabei, auf den himmlischen Segen der Erweckung zu warten. Ich nenne dies ‚Cargo Cult-Christentum‘. Zugegebenermaßen zeigte ich selbst oftmals die Symptome eines Cargo Cult-Christen. Als ich vor 20 Jahren Jugendleiter war, kamen viele charismatische und pfingstliche Gemeinden mit der „Lobpreis- und Anbetungsbewegung“ der frühen 80er Jahre in Berührung. Wenn wir nur eine neue Form der Anbetung einführten, die Orgelpfeifen mit Schlagzeug ersetzten und einen Lobpreisleiter anstellten, dann würde die Erweckung mit Sicherheit eintreffen. Selbst als Schlagzeuger war ich froh über diese Entwicklung, jedoch die große Erweckung blieb aus.

Die nächste Welle, an die ich mich erinnern kann, war die Glaubensbewegung. Prediger begannen, einen ‚proklamativen und bekennenden‘ Predigtstil nachzuahmen, mit jedoch kaum wahrnehmbarer Wirkung. Darauf folgten die „Dritte Welle“ der Power-Evangelisation, der Toronto-Segen, die Hauskirchen-Bewegung, Pensacola, dann das Konzept von ‚churching the unchurched‘ (kirchenferne Menschen zu Kirchenleuten zu machen) und viele andere mehr.

Jede neue Welle brachte ohne Zweifel wertvolle und erbauliche Wahrheiten in unsere Kirchen und Gemeinden, jedoch brachte keine davon den großen geistlichen Aufbruch, auf den wir warten. Vielmehr entwickelte sich ein geistlicher Konferenz- und Mega-Church-Tourismus, immer auf der Suche nach dem neuesten Schnellverfahren zur Erweckung.

Winde der Lehre

In den 50er Jahren versuchten die einheimischen Inselbewohner der Südsee die Praktiken der amerikanischen GIs im 2. Weltkrieg nachzuahmen, indem sie Trainingsmärsche durchführten, militärische Abzeichen auf ihre Haut malten und auf ihren Rollbahnen die Landesfahnen schwenkten – alles ohne Erfolg.

Nur zu oft sind auch wir in unseren Gemeinden mit ähnlichen, fast rituellen Aktivitäten beschäftigt – und messen äußerlichen Erweckungspraktiken und Liturgien fast mystische Bedeutung zu. Eine gewisse Reihenfolge von Liedern wird’s bringen (gewöhnlich von schnell zu langsam). Wir übernehmen die Leiterschaftsstruktur von dieser oder jener dynamischen Gemeinde und laden dann den richtigen Prediger zu einer unserer Konferenzen ein. Wir schwenken sogar Israel-Flaggen oder blasen Schofarhörner, um auf geheimnisvolle Weise die ‚Salbung‘ in unseren Zusammenkünften zu erhöhen. Aber solche Praktiken haben selten eine langfristige Wirkung.

Die meisten Cargo-Kulte in der Südsee waren kurzlebig. Wenn sich nach einer gewissen Zeit die verheißenen ‚Güter‘ nicht einstellten, verließen die Anhänger ihren ortsansässigen ‚Propheten‘ und gingen nach Hause. Auch in den Gemeinden sind diese ‚Winde der Lehre‘ kurzlebig, und während die eine Welle ausklingt, wiegt sich oft schon am Horizont die nächste heran.

Eine weitere Eigenschaft des melanesischen Cargo Cults war, dass man oft traditionelle Gebräuche aufgab, um dem Neuen nachzugehen. Traditioneller Landanbau hörte auf, und Schweine und Nahrungsvorräte wurden zerstört, weil die Bewohner glaubten, dass sie für den bevorstehenden Segen von oben erst einmal den Weg frei machen mussten. Auch dies geschieht nur zu oft in unseren Gemeinden. Eine bestimmte Bewegung, die vor Jahren zahllose Kirchengemeinden heimsuchte, existiert heute nicht mehr. Doch ihre Wirkung kann noch heute in Dutzenden von gespaltenen Gemeinden nachempfunden werden, die auseinanderbrachen, weil sie die radikalen Veränderungen, die diese Bewegung mit sich brachte, nicht mitmachen konnten.

Biblischer Cargo Cult

Cargo Cult wird definiert als eine Gruppe von Menschen, die die äußeren Elemente eines Prozesses oder eines Systems nachahmen, ohne das zugrunde liegende Prinzip verstanden zu haben.

Die einheimischen südländischen Inselbewohner hatten natürlich keine Ahnung von der strategischen und geopolitischen Bedeutung der Rollbahnen und Kaianlagen, die die Amerikaner gebaut hatten, noch von der Marktwirtschaft westlichen Handels und noch weniger von der Existenz der Radiowellen.

Doch sie waren nicht die ersten, die diesen Fehler machten. Die Seiten der Heiligen Schrift sprechen von einem hartnäckigen Cargo-Kult in biblischer Zeit, der bis zur Zeit des Königs Hiskia andauerte: Die Anbetung von Moses eherner Schlange. Über Jahrhunderte dachten die Israeliten, weil diese Eisenschlange „Nehushtan“ die Heilkraft Gottes in der Wildnis freisetzte, würde sie das auch in ihrer Zeit tun. Hiskia räumte damit auf, weil er den Götzendienst dahinter erkannte. In gleicher Weise erteilten die Propheten Israel einen scharfen Verweis mit Hinblick auf den Tempeldienst, den sie in eine Art Cargo-Kult verwandelt hatten, wo ihr äußeres Ritual keinen Raum mehr ließ für die wahre Anbetung des Herzens.

Das echte

Was jedoch ist für uns Christen das wahre Ding – nämlich das zugrunde liegende Prinzip, das wir verstehen müssen, um Gott mit Macht handeln sehen zu können?

Die Wahrheit ist ganz einfach. Das Handeln Gottes hängt nicht von einer neu entdeckten Lehre, Methode oder Strategie ab. Es geht um ein Herz, das sich leidenschaftlich nach Gott ausstreckt und nach der Gegenwart Gottes dürstet. Es ist eine Frage des Herzens, das die richtigen Landevoraussetzungen für Gott schafft, sodass Er kommen und unter seinem Volk weilen kann. ‚Kopfhörer‘ aus Holz bewirken gar nichts. Gott schaut nach Menschen, deren Herzen in dauerndem Radiokontakt mit seinem Thronsaal stehen.

In allen Erweckungsbewegungen, ob in Afrika, Süd- und Nordamerika, China oder wo auch immer, sind es die Menschen, die sich leidenschaftlich nach der Gegenwart Gottes sehnen. Es ist durchaus zu erwarten, dass Gott als Antwort besondere Strategien vermittelt, die mit dem Ruf einer einzelnen Person und dem Umfeld einer Gemeinde oder eines Pastors übereinstimmen. Aber diese Strategie dann auf dein Leben und deine Stadt zu übertragen – dies könnte nichts anderes als eine Zeitverschwendung sein.

So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße. Wo wäre denn das Haus, das ihr mir bauen könntet, und wo denn der Ort meines Ruhesitzes? Hat doch meine Hand dies alles gemacht, und alles dies ist geworden, spricht der HERR. Aber auf den will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist und der da zittert vor meinem Wort (Jesaja 66, 1-2).

Diese Worte gelten auch heute noch. Es geht darum, zu Füßen des Meisters zu sitzen und ihn und seine Gegenwart mit ganzem Herzen zu suchen. Die wahre Substanz hinter jedem Handeln Gottes ist unsere Bereitschaft, uns vor Gott zu demütigen, umzukehren und dann zu handeln, wenn er spricht.

ELB 2. Chronik 7,14: „… und mein Volk, über dem mein Name ausgerufen ist, demütigt sich, und sie beten und suchen mein Angesicht und kehren um von ihren bösen Wegen, dann werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen.“

Wenn du dieser bewährten und geprüften Methode folgst, wird dich Gottes Radiobotschaft erreichen. Der Herr kann dir dann durchaus sagen, dass du die Rollbahn bauen und dich für seine Landung vorbereiten sollst. Aber dann kannst du sicher sein, dass die himmlische Fracht des Geistes Gottes in deinem Leben, deiner Familie und deiner Gemeinde ankommen wird.

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