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Eine der gewaltigsten Aussagen in der biblischen Weihnachtsgeschichte sind die Worte des Engels, gerichtet an die Hirten auf den Feldern von Bethlehem:
„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“(Lukas 2,10-12)
Es war die erste Verkündigung der guten Nachricht, des Erlösungswerkes Jesu Christi durch die Engel. Es ist bemerkenswert, dass diese erste Verkündigung nicht an die religiösen oder politischen Führer Israels gerichtet war, sondern an die Hirten auf den Feldern um Bethlehem. Diese Hirtenfelder spielen bis heute eine zentrale Rolle bei den Weihnachtsfeierlichkeiten im Heiligen Land. Unzählige Touristen haben diese Felder zwischen Bethlehem und Jerusalem besucht. Der Kirchenhistoriker Eusebius sieht eine Verbindung zwischen ihnen und einer einzigartigen biblischen Stätte, genannt Migdal Eder, zu Deutsch „Herdenturm“.
Dieses Gebiet am Stadtrand von Bethlehem finden wir auch in den Schriften des Talmud. Dort heißt es, dass alles Vieh in der Umgebung Jerusalems „bis nach Migdal Eder“ als heilig und geweiht angesehen wurde und nur zur Opferung im Tempel genutzt werden konnte, insbesondere für die Friedens- und Passahopfer. Es gab also einen besonderen geweihten Umkreis um die Stadt Jerusalem bis hin nach Bethlehem. Das bedeutet, dass die Hirten auf den Feldern von Bethlehem, die erstmals die gute Nachricht hörten, keine gewöhnlichen Hirten waren, sondern dem Opfersystem des Tempels dienten. Diese Männer dienten im Kontext des mosaischen Bundes, einem Vorschatten des Neuen Bundes. Genau diese Männer wurden nun mit der Realität der guten Nachricht konfrontiert. Es war tatsächlich die Verkündigung einer neuen Ära der Errettung!
Der hebräische Prophet Micha bezieht sich ebenfalls auf den Migdal Eder: „Und du, Turm der Herde, du Feste der Tochter Zion, zu dir wird kommen und wiederkehren die frühere Herrschaft, das Königtum der Tochter Jerusalem.“ (Micha 4,8) Auf Grundlage dieser Prophetie schlossen bekannte jüdische Gelehrte im Midrasch, dass es unter allen Orten in Israel der Migdal Eder sein würde, von dem aus die Ankunft des Messias zuerst verkündet würde. Daher handelte es sich nicht nur um die Verkündigung der guten Nachricht gegenüber einfachen Hirten, als die Engel auf den Hirtenfeldern bei Bethlehem erschienen. Es war auch ein gewaltiges prophetisches Zeichen für ganz Israel. Die Nachricht dieser Nacht muss sich wie ein Lauffeuer in den umliegenden Dörfern verbreitet haben.
Lukas berichtet: „Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.“(Lukas 2,17-18)
Es ist für uns Christen wichtig zu erkennen, dass Jesus nicht in ein Vakuum kam, sondern in einen vollkommen jüdischen Kontext hinein geboren wurde. Als Christus im Fleisch kam, wurde er zuallererst dem jüdischen Volk geboren. Erst seine jüdischen Freunde, die Jünger, trugen dann die freudige Botschaft der Erlösung zu allen Menschen. Dem jüdischen Mädchen Maria wurde die Bestimmung Jesu durch den Engel Gabriel so mitgeteilt:
Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und wird 'Sohn des Höchsten' genannt werden. Gott, der Herr, wird ihn auf den Thron seines Ahnherrn David erheben, und er wird für immer über die Nachkommen Jakobs regieren. Seine Herrschaft wird nie zu Ende gehen. (Lukas 1,31-33)
Auch wenn die Feier der Geburt Christi fast ausschließlich von der nichtjüdischen Gemeinde begangen wird, ist es wichtig für uns, sie in ihrem historischen und biblischen Kontext zu betrachten – als eine Botschaft, die zuerst Israel und dem jüdischen Volk Hoffnung geben sollte.
Zacharias prophezeite über Jesus in der gleichen Weise: damit er „Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham.“ (Lukas 1,72 ff)
Auch Maria bezeugt in dem berühmten Magnificat den ewigen Bund, den Gott mit Israel und dem jüdischen Volk gemacht hat. Diese Prophetien sind für uns als Christen von besonderer Bedeutung. Der heilige ewige Bund mit Abraham, von dem Zacharias und Maria hier sprechen, schließt auch die ewige Landverheißung für das jüdische Volk ein: Eretz Israel. Gott hat sein Versprechen gehalten und seinen ewigen Bund mit dem jüdischen Volk nicht aufgelöst. Er steht zu seinem Wort. Darum hat der Hüter Israels weder geschlafen noch geschlummert und seine Hand Jahrtausende lang über das jüdische Volk gehalten, um es wieder in sein Land zu bringen.
Die Engel erschienen den Hirten, die sich um die Schafe und das Vieh kümmerten, die im Tempel geopfert wurden, insbesondere zum Passahfest. Gerade diese Hirten wurden mit der Nachricht konfrontiert, dass das höchste Opfer geboren war, das nicht nur die Sünden Israels, sondern die der ganzen Welt tragen würde. Nur 33 Jahre später war kein weiteres Opfer mehr notwendig, denn alle, die an ihn glauben, sind seitdem „geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi.“ (Hebräer 10,10) Das war tatsächlich eine frohe Botschaft, welche die Engel vor langer Zeit verkündeten. Doch genau wie bei den Hirten reicht auch bei uns das reine Wissen um diese Botschaft nicht aus. Sie mussten darauf reagieren, und das taten sie auch. Sie gingen selbst hin, um das Kind zu sehen und erzählten dann von seiner Geburt, wo immer sie konnten.
Lassen Sie uns dem Beispiel der Hirten von Bethlehem folgen und unser Leben ganz neu diesem wunderbaren Erlöser weihen, der in Bethlehem geboren wurde. Er ist der Hirte unserer Seelen (1. Petrus 2,25), der für unsere Sünden gestorben ist und der uns erlöst hat. Das ist die gute Nachricht von Weihnachten!
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