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Das Jahr der Wächter: ungehörte Warnungen

Ungehörte Warnungen

Biblische Lehre: Das Jahr der Wächter
Dr. Jürgen Bühler, Präsident der ICEJ
Rekonstruierter Wachturm in Moshav Yad Hashmona, Judäische Berge yad8.com, Jahr der Wächter

Das Massaker vom 7. Oktober wird noch Gegenstand zahlreicher Untersuchungen in Israel sein, um festzustellen, wie diese Katastrophe passieren konnte. Vermutlich werden viele Politiker und Militärs ersetzt werden. Wo es die größten Versäumnisse gab, ist bereits bekannt: Israels Wächter-System hatte versagt. Man hatte die Warnungen der Wächter nicht beachtet.

Fehleinschätzung

In den Wochen und sogar Stunden vor dem Terrorüberfall meldeten Israels Wächter, die ständig unzählige Sicherheitskameras entlang des Grenzzauns zum Gazastreifen im Blick haben, zahlreiche Beobachtungen, die auf den bevorstehenden Angriff hinwiesen. Doch ihre Warnungen wurden ignoriert. Die hochrangigen Offiziere waren davon überzeugt, dass es die Hamas niemals wagen würde, die Grenze zu durchbrechen. Diese Fehleinschätzung kostete Israel bisher fast 1.500 Menschenleben

Israel diente schon immer als Vorbild für die Kirche, wie Paulus in 1. Korinther 10,11 lehrt. Auch jetzt sind die Ereignisse in Israel eine ernüchternde Lektion für die Kirche und jeden Gläubigen. Der Wächter spielt im Wort Gottes eine zentrale Rolle. Die hebräischen Propheten sahen sich als Wächter des Volkes (Hesekiel 3,17)

Das Amt des Wächters

Aufgabe des Wächters ist es, Wache zu halten, oft auf einem Turm oder einer Mauer, sei es für den König (1. Samuel 14,16), über eine Stadt (Hohelied Salomos 3,3) oder über ein Feld (Jesaja 56,9- 10). Sie verrichten ihre Arbeit häufig nachts (Psalm 127,1). Es ist alarmierend, dass in vielen wohlhabenden westlichen Kirchen das Amt des Wächters vernachlässigt wird oder gar nicht vorhanden ist.

In Israel gehören Wächter (hebräisch: Shomrim) zum täglichen Leben. Sie stehen an den Eingängen von Gemeinden, Supermärkten, Bürogebäuden und andernorts. Ohne gute Wächter käme es zu viel mehr Terroranschlägen

Die Bibel nennt uns vier Bereiche, in denen Wächter im Reich Gottes gebraucht werden:

1. Die persönlichen Wächter

Jeder muss ein Wächter sein! In Israel ist praktisch jeder Bürger zugleich ein Wächter. Viele Privatpersonen besitzen eine Waffe. Diese bewaffneten Zivilisten sind bei Terroranschlägen oft als Erste vor Ort und retten Leben.

Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder und Schwestern in der Welt kommen.“ (1 Petrus 5,8-9) Der Gläubige ist ständig vom Feind bedroht, dessen Ziel es ist, zu stehlen, zu schlachten und umzubringen (Johannes 10,10). Satan will unsere Familie, unsere Berufung und unseren Weg mit dem Herrn zerstören.

Aber es ist nicht nur der Teufel, der dem Volk Gottes großen Schaden zufügen kann – oft ist es die Schwäche der Gläubigen. In seiner Todesangst in Gethsemane mahnt Jesus seine Jünger: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.“ (Matthäus 26,41) Jesus lehrt, dass zwei Dinge notwendig sind, um unsere fleischlichen Begierden zu überwinden: Gebet und geistliche Wachsamkeit. Heute sind unsere fleischlichen Begierden mehr denn je ein Angriffspunkt – perverse, sinnliche Verlockungen sind nur einen Mausklick entfernt.

Der große Irrglaube

Ein Hauptgrund für die mangelnde Wachsamkeit vieler Gläubiger ist der große Irrglaube, dass wir mit dem Eintritt in das Reich Gottes einem netten Country Club beigetreten sind, voller Frieden und Freude. Aber: Wir haben uns auch einer Armee angeschlossen, die sich im Kriegszustand gegen Satan befindet. Und dieser Krieg wird sich verschärfen, je näher der Tag des Herrn rückt. Deshalb spricht Paulus seinen Jünger Timotheus als einen Soldaten an, der nach strenger militärischer Disziplin leben soll (2. Timotheus 2,3-4).

Es ist eine Sache, eine Gefahr zu erkennen, aber noch wichtiger ist die richtige Reaktion darauf. Was tun mit den Informationen, die man als Wächter sammelt? Dieser Tage hat sich in unserem Dorf in Israel ein Sicherheitsvorfall ereignet. In unserer Straße gab es eine verdächtige Situation, die meine geliebte Frau Vesna bemerkt hat. Sie informierte sofort den Security-Leiter unserer Gemeinde. Er nahm die Angelegenheit ernst und prüfte die Sicherheitslage. So müssen auch wir als Gläubige handeln: Bringen wir unsere Anliegen zu unserem Security-Chef, zu Jesus, damit er den Fall übernimmt.

2. Die Wächter der Gemeinschaft

Die Wachsamkeit meiner Frau kam der ganzen Gemeinschaft zugute. In gleicher Weise sind wir dazu berufen, Wächter für die Menschen um uns herum zu sein, für unsere Familien, unsere Brüder und Schwestern im Herrn und sogar für unsere Nationen.

Es gibt einen Bereich, in dem das Wort Gottes die Leiter und Ältesten der Gemeinden ermahnt, besonders wachsam zu sein. Sowohl Jesus als auch die Apostel haben davor gewarnt, dass es in der Endzeit zu Täuschungen kommt. Einfache Lehren mögen unsere Ohren reizen, aber sie haben keine Substanz. Paulus schrieb: „So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, … Denn das weiß ich, dass nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch kommen, die die Herde nicht verschonen werden. Auch aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes reden, ... Darum seid wachsam ...“ (Apostelgeschichte 20,28-31). Und Paulus mahnte Timotheus: „Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken! Denn wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören.“ (1. Timotheus 4,16 / ESV) Diese Warnung weist darauf hin, dass nicht nur andere sich irren können, denn Paulus sagte: „Achte auf dich selbst“. Christen, die glauben, dass sie nicht irregeführt werden können, sind bereits irregeführt. Wir alle müssen auf uns aufpassen und uns täglich in das Wort Gottes und das Gebet vertiefen.

Türsteher

Im Tempel in Jerusalem dienten 4.000 Leviten als Torwächter (1. Chronik 23,5). Heute brauchen wir die Gabe der Unterscheidung mehr denn je. Wir brauchen keine körperlich starken Türsteher, um „die falschen Leute“ von unseren Gottesdiensten fernzuhalten, sondern Menschen mit geistlichem Unterscheidungsvermögen, die verhindern, dass falsche weltliche Einflüsse in die Kirche eindringen. Der Hauptzweck der Torwächter bestand nicht darin, eine gemütliche Atmosphäre für den Gottesdienst mit den richtigen Leuten zu schaffen, sondern dafür zu sorgen, dass Gottes herrliche Gegenwart in seinem eigenen Haus willkommen ist. Wir brauchen keine besucherfreundlichen Kirchen, sondern gottfreundliche. Und wenn seine Herrlichkeit dort ist, wird die Kirche zweifellos ein Magnet für die Verlorenen sein.

3. Der prophetische Wächter

Die Propheten waren berufen, Wächter für Israel zu sein (Hesekiel 3,16). Ihre Aufgabe war es, über den geistlichen Zustand Israels zu wachen. Aber sie dienten ebenso als Wächter auf nationaler Ebene. Sie warnten Israel vor drohender Gefahr und übermittelten dem König himmlische Strategien. Sie waren auch Gottes Sprachrohr für das Volk. Sie zeigten auf, was sich ändern musste und erläuterten Gottes Pläne für die Zukunft.

Zur Aufgabe des Wächters gehört es, die Zeiten zu erkennen, in denen wir leben. Die Bibel lobt den Stamm Issachar, weil die Männer „... erkannten und wussten, was Israel zu jeder Zeit tun sollte, ..." (1. Chronik 12,33). Der Leib Christi braucht solche Menschen. Im himmlischen Bereich finden seismische Verschiebungen statt. Wie einst Daniel müssen die Wächter verstehen, dass unsere Welt weniger von Politikern regiert wird, sondern vielmehr von „Mächtigen und Gewaltigen, den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, den bösen Geistern unter dem Himmel.“ (Epheser 6,12) Diese Art von Intelligenz und Erkenntnis wird durch Gebet und Fürbitte und durch die Gaben des Heiligen Geistes gewonnen.

Radikaler Islam

In der islamischen Welt unserer Tage finden große geistliche Umwälzungen statt. In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Muslime, die zu Jesus als ihrem Erlöser finden, exponentiell zugenommen. Aber wir erleben auch eine Explosion des radikalen Islam, der sich nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit manifestiert. Wie zur Zeit Jesajas (21,11ff), als man sich nach Dumah (der heutigen arabischen Halbinsel) erkundigte, werden Wächter gebraucht, um die Zeiten einzuschätzen und Einsichten und Strategien für die Kirche zu vermitteln.

Die größte Veränderung in der geistlichen Landschaft ist jedoch die Wiederherstellung Israels, die massive Auswirkungen auf die Kirche hat, zumal sie schließlich zur Wiederkunft des Herrn führen wird. Dies scheint jedoch von den meisten Kirchen heute weitgehend ignoriert zu werden.

Habakuk lebte in einer Zeit gewaltiger Erschütterungen. Er traf eine strategische Entscheidung: „Auf meiner Warte will ich stehen und mich auf meinen Turm stellen und Ausschau halten und sehen, was er mir sagen und antworten werde auf das, was ich ihm vorgehalten habe.“ (Habakuk 2,1) Das ist ein Aufruf an den Leib Christi, unsere Wachtürme zu bemannen und zu sehen, was das Wort des Herrn für unsere Zeit sagt, damit wir strategisch beten können.

Riskante Schläfrigkeit

Das Wort Gottes stellt klar, dass es unsere wichtigste Aufgabe ist, auf das Kommen unseres Herrn zu achten. Jesus sagte, dass wir nicht wissen werden, wann das sein wird (Matthäus 24,36, 39, 42, 44, 50). Es wird uns überraschen – deshalb müssen wir wachsam sein. Geistliche Schläfrigkeit ist gefährlich. Paulus schreibt: „Denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben […] So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.“ (1. Thessalonicher 5,2-6) Wachsam zu sein bedeutet, dass wir den Heiligen Geist jeden Tag aufs Neue einladen, zu uns zu sprechen und wir einen Lebensstil des Gebets und des Bibel-Studiums führen.

4. Wachen und Beten

In der Bibel werden die Wächter oft mit Gebet in Verbindung gebracht. Auch die ICEJ-Gebetsinitiative lässt sich von Jesaja 62,6-7 inspirieren: „O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den HERRN erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen, lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden!“ Die Wächter aus Jesaja 62 haben zwei Funktionen: Sie mahnen die Gemeinschaft zu Wachsamkeit und sie erinnern Gott an seine Verheißungen für Israel. Sie beten unablässig für die vollständige Wiederherstellung Jerusalems, bis es seine endgültige Bestimmung erreicht hat.

Wachen und Beten gehen also Hand in Hand. Es sind die betenden Wächter, die große Taten vollbringen. Durch Gebet kann viel verändert werden.

Aufruf zum Handeln

Ich möchte Sie nachdrücklich ermutigen, ein Wächter zu werden für Ihr persönliches Leben, Ihre Familie und die Gemeinschaft, in die der Herr Sie gestellt hat. Ich lade Sie auch ein, sich unserer weltweiten Gebetsinitiative „Jesaja 62“ anzuschließen. Damit schließen Sie sich einem mächtigen Heer von Wächtern an, die Israel in dieser kritischen Zeit beistehen. Machen Sie das Jahr 2024 zu Ihrem Jahr als Wächter.

Möge der Herr Sie reich segnen, wenn Sie auf den Mauern Jerusalems Stellung beziehen!

(Foto: Rekonstruierter Wachturm in Moshav Yad Hashmona, Judäische Berge, yad8.com)

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