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Der Tod Jesu – Erlösung für alle Menschen

Der Tod Jesu – Erlösung für alle Menschen

Karl Klanner
Der Blick aus einer Höhle, vor der ein Kreuz steht. Die Sonne geht auf oder unter

Die Kirchengeschichte hat in tragischer und leidvoller Weise gezeigt, dass die biblische und unwiderrufliche Berufung des jüdischen Volkes von sehr vielen Christen missachtet wurde. Wie bereits oben angeführt, erfolgte in den ersten Jahrhunderten eine bewusste Abgrenzung der Heidenchristen vom jüdischen Erbe. Wie wurden der Prozess und der Tod Jesu von einer zunehmend größeren Zahl von Heidenchristen interpretiert? Sie beschuldigten die Juden, „Christus-Mörder“, „Gottes-Mörder” und ein von Gott verfluchtes (Mt 27,25) und vergessenes Volk zu sein. Dazu kamen über viele Jahrhunderte verleumderische und diffuse Anschuldigungen über Ritualmorde, Hostienschändungen, Brunnenvergiftungen u.a.m., welche wiederum zu Pogromen und weiteren Verfolgungen der Juden führten.

Nach Aussage der neutestamentlichen Schriften nahmen ein großer Teil der Juden und insbesondere die meisten führenden Pharisäer und Sadduzäer Jesus nicht als Messias an. Seine Botschaft und sein Wirken wurden vom Sanhedrin (Hoher Rat) als Gotteslästerung bewertet, weshalb sie ihm nach dem Leben trachteten und mithilfe der römischen Besatzungsmacht zu töten versuchten, was auch geschah.

Im biblischen Kontext wurde Gottes Erlösungswerk durch den Tod Jesu am Kreuz erfüllt, was er selbst mit den Worten „Es ist vollbracht” (Joh 19,30 LUT) zum Ausdruck bringt. Das jüdische Volk, dem das Wort Gottes anvertraut wurde, war und ist Teil dieses großen Plans zur Rettung der ganzen Menschheit. Es ist dazu berufen, ein Königreich von Priestern und heilig zu sein (2 Mose 19,6), zu dem Gott immer wieder durch einzelne Personen prophetisch gesprochen hat. Die Priester ermöglichten dem Volk durch ihre Dienste den Zugang zu Gott. Eine wichtige Aufgabe war die Darbringung von unterschiedlichen Opfern, die im Alten Testament ausführlich beschrieben werden (z.B. erste Kapitel 3 Mose). So musste etwa ein Opferlamm genau auf seine Fehlerlosigkeit untersucht werden. Auch die Priester prüften, was Jesus sagte und tat. Obwohl viele falsche Zeugen auftraten, fanden sie nichts (Mk 14,55-56 und Apg 13,28) und verurteilten ihn wegen Gotteslästerung, weil Jesus dem Hohepriester sagte, dass er der Sohn Gottes sei (Mt 26,63-64).

Nach dem Tod und der Auferstehung Jesu sagt Petrus in der Pfingstpredigt: „Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst – diesen Mann, der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Ungerechten ans Kreuz geschlagen und umgebracht” (Apg 2,22-23 LUT, vgl. auch Apg 2,36-37 und Apg 3,14-15; 4,10; 5,30 sowie die Rede des Stephanus: Apg 7,51-52).

Diese klare Schuldzuweisung an die Juden relativiert Petrus jedoch, indem er ihnen Unwissenheit bescheinigt, auf die Aussagen der Propheten hinweist und zur Buße aufruft: „Nun, liebe Brüder, ich weiß, dass ihr‘s aus Unwissenheit getan habt wie auch eure Oberen. So aber hat Gott erfüllt, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigt hat: dass sein Christus leiden sollte. Tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden getilgt werden, auf dass Zeiten der Erquickung kommen von dem Angesicht des Herrn und er den sende, den er für euch zum Christus bestimmt hat: Jesus” (Apg 3,17-20 LUT; vgl. auch Apg 13,26-27).

Petrus verbindet den Tod Jesu auch mit dem Bund, den Gott mit Abraham geschlossen hat: „Und auch alle Propheten von Samuel an und alle, die später auftraten, haben diese Tage angekündet. Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit euren Vätern geschlossen hat, als er zu Abraham sagte: Durch deine Nachkommenschaft sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. Für euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und gesandt, damit er euch segnet und jeden von seiner Bosheit abbringt” (Apg 3,24-26 EU).

Es ist sehr wichtig zu erwähnen, dass nach den Schriften des Neuen Testamentes die Juden nicht allein für den Tod Jesu verantwortlich waren. Die jüdischen Behörden hatten keine Befugnis, eine Todesstrafe zu verhängen. Judäa gehörte zur kaiserlichen Provinz Syrien und somit war der römische Statthalter Pontius Pilatus für die Rechtsprechung verantwortlich. Er fällte das Todesurteil und römische Soldaten vollstreckten das Urteil.

An dieser Stelle ist es auch von großer Bedeutung, auf die vergebenden Worte Jesu bei seiner eigenen Kreuzigung hinzuweisen: „Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun” (Lk 23,34 ELB). Jesus, der sich selbst als „König der Juden” bezeichnet, bittet im Angesicht seines eigenen Todes um Vergebung für die, die ihn verhöhnten und seinen Tod wollten. Er meinte dabei wohl Juden wie Heiden, weil sie ganz einfach nicht wussten, was sie taten.

Nach christlich-biblischem Verständnis ist kein Mensch vor Gott gerecht. Alle bedürfen der Erlösung, der Gnade und Vergebung Gottes. Jesus hat als fehlerloses Lamm Gottes (1 Petr 1,19) sein Blut am Kreuz vergossen und brachte so die Erlösung von Sünde und Schuld für alle Menschen (Hebr 10,14; Eph 1,7; Mk 10,45). Erst sein Tod, wie ihn Jesaja prophezeit (Jes 53), hat dem einzelnen Menschen – Juden wie Heiden – ermöglicht, in eine persönliche Beziehung zu Gott zu kommen.

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